Interview der BM mit Hückeswagens FDP-Fraktionschef Jörg von Polheim : Ziel: bezahlbaren Wohnraum schaffen

29.Januar 2021.Hückeswagen Jörg von Polheim ist der Vorsitzende der Hückeswagener FDP. Im Interview spricht er über die Aufgaben in der neuen Legislaturperiode.

·  Von Wolfgang Weitzdörfer

Herr von Polheim, wie beurteilen Sie rückwirkend das Wahlergebnis der FDP?

Jörg von Polheim Die FDP hat bei der letzten Wahl ein solides Ergebnis erzielt, wir sind weiterhin mit drei engagierten Ratsmitgliedern im Rat vertreten. Unsere Arbeit wird von weiteren sachkundigen Bürgern in den Ausschüssen unterstützt, so dass die FDP-Fraktion weite Bereiche der Gesellschaft in Hückeswagen repräsentiert.

Was sind Ihre wichtigen Themen für Hückeswagen in den kommenden fünf Jahren?

von Polheim Die Gesundung unserer Finanzen hat weiterhin einen hohen Stellenwert, damit die steuerlichen Belastungen für die Bürger nicht weiter ansteigen. Bezahlbaren Wohnraum für alle Bürgerinnen und Bürger zu schaffen, dazu hatte die FDP in der vorigen Periode bereits Vorschläge gemacht. Außerdem ist der Erhalt der Altstadt als Wohn- und Geschäftsstandort ein Schwerpunkt. Gleichzeitig möchten wir hier auch die Aufenthaltsqualität für Jung und Alt verbessern. Dazu geben uns das ISEK und die Regionale 2025 jetzt die nötigen Rahmenbedingungen.

Warum braucht es in der Schloss-Stadt eine liberale Kraft im Stadtrat?

von Polheim Die FDP als Kraft der Mitte wird immer darauf achten, dass die Vorschriften für die Bürgerinnen und Bürger in Hückeswagen nicht überhandnehmen. Einschränkungen der Freiheit soll es immer nur dann geben, wenn sie unabdingbar sind. Wir haben Vertrauen in die Menschen.

·  Der Stadtrat ist so groß wie nie – wie beurteilen Sie dies in Bezug auf die politische Arbeit?

von Polheim Die Größe des Rats hat keinen übermäßigen Einfluss auf die Arbeit des städtischen Parlaments. Wir werden weiterhin mit CDU, SPD, Grüne/Die Partei und FaB zusammenarbeiten und für die beste Lösung für Hückeswagen miteinander im guten Sinne streiten.

Mit der AfD und Die Partei sind zwei neue Parteien im Boot. Macht das die Arbeit schwerer oder vielfältiger?

von Polheim Die Arbeit wird sich nicht wesentlich verändern. Die Partei ist in die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen integriert – und mit der AfD wird es definitiv keine Zusammenarbeit geben.

Glauben Sie, dass auch in Hückeswagen der Ton rauer werden wird?

von Polheim Der Hückeswagener Stadtrat hat seit Jahrzehnten bewiesen, dass man heftig miteinander in der Sache diskutieren kann, ohne die Wertschätzung für den anderen zu verlieren. Daran wollen wir von der FDP festhalten. Und ich glaube – die anderen Fraktionen auch.

Wie lassen sich Wirtschaftlichkeit und Ökologie gewinnbringend verbinden?

von Polheim Wirtschaftlichkeit und Naturschutz sind keine Gegensätze, sondern bedingen einander. Ohne eine funktionierende Wirtschaft ist dauerhaft kein Umweltschutz möglich, und ohne eine intakte Natur  keine zukunftsweisende Ökonomie. Die FDP hatte für das neue Gewerbegebiet West 3 eine Dachbegrünungen vorgeschlagen. Damit hätte man einen Lebensraum für Insekten schaffen können und gleichzeitig hätte sich das Klima in den Werkshallen beziehungsweise  Bürogebäuden gerade in den Sommermonaten deutlich verbessert. Außerdem ist eine solche begrünte Dachfläche ein Wasserspeicher bei Starkregen und entlastet somit das Kanalnetz.

Was konkret möchten Sie in der kommenden Legislaturperiode diesbezüglich erreichen?

von Polheim Der Flächenverbrauch für neue Wohnbaugebiete und Gewerbegebiete muss reduziert werden. Die Natur und die Landwirtschaft benötigen diese Flächen. Daher möchten wir für Hückeswagen ein Baulückenkataster erstellen, damit zuerst vorhandene Flächen genutzt werden, bevor weitere natürliche Flächen bebaut werden. Die Stadt Hückeswagen hat hierbei zwei große Flächen, die für den Wohnungsbau hervorragend geeignet. So sind etwa die Liegenschaften der Löwen-Grundschule an der Kölner Straße, die im Sommer 2022 frei werden, ideal für den Wohnungsbau geeignet, da städtebaulich gut integriert. Auch bei den Gewerbeflächen ist zuerst die Nutzung vorhandener Flächen anzustreben. Eine Chance ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Holzcluster Bergisches Land. Dabei stehen der Rohstoff Holz als regionale, nachhaltig nutzbare Energiequelle sowie als energieeffizienter Bau- und Werkstoff, seine Verfügbarkeit, die notwendige Logistik und seine Qualität im Mittelpunkt.